Führung im Spiegel der Pferde. Ein Artikel von Naomi Larissa Kucharsky

Warum Pferde?

 

Ich arbeite jetzt knapp 20 Jahre mit dieser Thematik und halte folgenden Punkt für einen der Interessantesten, der für uns als Menschen wirklich wertvolles birgt.

 

Pferde sind Fluchttiere und organisieren sich im Herdenverband. Dieser Herdenverband ist ein Hierarchisch aufgebautes System. Es gibt das ranghöchste Pferd, das rangniedrigste und alles dazwischen.

 

Jedes Tier im System hat seinen Platz. Wobei das keine starre Hierarchie ist sondern eine sich auch ständig wandelnde Dynamik beinhaltet. Pferde können Ihren Rang z.B. durch Ihr Verhalten verändern. Oder durch das weg fallen oder dazu kommen von Mitgliedern verändert sich diese Hierarchie ebenfalls.

 

Der meiner Meinung nach interessante Punkt für uns ist der Folgende:

 

Die Ausrichtung dieser Hierarchie, oder dieses Systems, ist es Handlungsfähig zu bleiben, als gesamte Herde, als Gruppe bzw. als Team. Das ergibt sich aus dem Wesen eines Fluchttiers dessen Schutz der Herdenverband ist. Pferde verfügen über die Fähigkeit eines fokussierten, wie auch eines fließenden Bewusstseins. Das Fließende Bewusstsein ist mit dem Umfeld (dem Außen) präsent. Man könnte das auch die Fähigkeit zum „Weitblick“ nennen. Eine Qualität die wir von Ihnen lernen können. Menschen neigen zum Tunnelblick.

 

Für uns als Menschen finde ich es also spannend zu erforschen mit welchen Qualitäten die Ranghohen Tiere innerhalb vom System für Ordnung sorgen damit das System Handlungsfähig bleibt.

 

Bei den Pferden sieht das so aus das z.B. Verhalten von Herdenmitgliedern, die das System durcheinander bringen, auf Schwächere los gehen, Unruhe stiften usw. von ranghohen Tieren „korrigiert“ werden. In diesem Fall üben die Ranghohen Tiere Macht aus oder Dominanz.

 

Aber, und das ist genau der Punkt, im Kontext das System zu schützen, also im Dienst einer Wiederherstellung von Balance um Handlungsfähig zu bleiben. Und das ist wieder der nächste interessante Punkt. In der Auseinandersetzung mit dem System Pferdeherde und auch im direkten Körpersprachlichen Kontakt mit dem Wesen Pferd, haben wir meiner Meinung nach die Möglichkeit, tiefe Erkenntnis darüber zu erlangen, wie Macht, Dominanz, Kraft, Stärke, Durchsetzungsvermögen oder auch Ordnung schaffen, ein System dynamisch halten oder flexibel halten, im Kontext des Dienens zum Wohl der Gruppe funktioniert.

 

Das ist z.B. eine Qualität mit der ranghohe Pferde arbeiten. Dienende Macht oder Dominanz, dessen Motivation nicht Unterdrückung ist, sondern dessen Motivation vom überlebenswichtigen Bedürfnis kommt als Gruppe, als System präsent und Handlungsfähig zu bleiben.

 

Ich sehe als Lerpotential für Menschen im Miteinander von  fokussiertem und fließendem Bewusstsein in eine dynamiche Balance innerhalb eines Systems zu kommen. Es bedeutet im Grunde den Horizont bezüglich achtsamer Kommunikation zu erweitern und generell eine viel differenziertere Kommunikation im zwischenmenschlichen Sein zu erschaffen.

 

Die meisten Probleme erwachsen meiner Meinung nach aus undifferenzierter, unbewusster und in eingefahrenen Mustern laufender Kommunikation die nirgends hinführt als zur Spaltung. Wir müssen aber lernen wie wir uns authentisch miteinander verbinden können. Dazu braucht es Respekt wie auch Vertrauen. Etwas das wir sehr gut im Zusammensein mit dem Pferd lernen können.

 

Abschließend möchte ich noch anmerken das wir als Menschen derzeit ein eher gestörtes und oft negatives Verhältnis zum Thema Macht und Dominanz haben, es uns aber ständig und überall begegnet, weil es etwas völlig natürliches ist. Es gehört zum Thema "Respekt". Doch im Kontext eines Bewusstseins, das noch auf der Basis von „der Stärkere gewinnt und tritt auf den Schwächeren hin“ Macht oder Dominanz ausübt, ist das Abwenden von diesen Qualitäten nachvollziehbar aber nicht die Lösung.

 

Meiner Meinung nach ist die Lösung die essentielle Qualität von Macht, Kraft, Stärke und einer daraus resultierenden Führung, in den Kontext des Dienens zu transformieren. Im ganz großen Zusammenhang gesprochen ist es auch die Transformation der männlichen Qualität Führung zu übernehmen die Schützt und eben nicht mehr für Zerstörung und Unterjochung verwendet wird. Die Pferde können uns lehren das es nur darum geht eine Energiequalität in einen anderen Kontext zu stellen und nicht das Kind mit dem Bade aus zu schütten.

Ein schwarzer Hengst (der Hengst auf dem Bild mit Namen FARAUN) hat mir mal folgende Botschaft überbracht als ich mich näher mit Ihm beschäftigt hatte und auch mit der Frage, wie ich ihn führen, bzw. reiten kann ohne scharfes Gebiss.

 

Er sagte: „In the middle of your Belly lies the wisdom of true piece“

 

Übersetzt: „In der Mitte von deinem Bauch (auch HARA genannt) liegt das Wissen (die Weisheit) über wahren Frieden.“

 

Tatsächlich geht es um die Befreiung unseres eigenen HARA. Dort wo wir in unserer Mitte ruhen und über die Fähigkeit verfügen Kraft in die Wirkung zu bringen. Diese Kraft ist sehr klar, fokussiert und Ordnend. Sie ist eine friedliche Macht die uns in die eigene Selbstermächtigung bringt. Und das ist der Schritt in ein Leben aus der Selbstverantwortung heraus.

 

Eine Qualität die uns dazu befähigt die Verantwortung für unser Sein und Handeln zu übernehmen und gegebenenfalls, wenn wir bemerken das wir damit nicht nur Gutes erschaffen, oder überhaupt mal bewusst damit werden DAS WIR ERSCHAFFEN was um uns ist, uns selber zu verändern und auf zu hören, im Außen nach Schuldigen zu suchen oder vom Außen zu verlangen sich zu verändern.

mit meinem Pferd Gitano an unserem kleinen See